Kommentar: Social Networks und die Suche nach einem Geschäftsmodell
Die Suche nach einem funktionierenden Geschäftsmodell beschäftigt Social Networks und die themennahen Fachleute schon länger. Wie lässt sich mit Netzwerken wie Facebook oder StudiVZ überhaupt Geld machen? Dass das Werbemodell nicht ausreicht sieht man unter anderem an den desaströsen Zahlen von StudiVZ, und auch Facebook ist trotz der technisch besseren Aufstellung nicht erfolgreicher.
Nun lese ich auf Seedfinance, dass man endlich ein Erfolg versprechendes Modell gefunden hätte - die Monetarisierung mittels des Social Graphs. Hierzu dienen Data Portability Techniken wie Facebook Connect oder Google Friend Connect als Basis, indem sie es erlauben, externe Applikationen direkt mit einem Social Network zu verbinden, um so auf die sozialen Verknüpfungen (den Social Graph) der User zugreifen zu können. So können z.B. Blogs wie Wordpress eigene Communitys auf Facebook gründen, und diese nicht nur auf Facebook darstellen, sondern genauso auf dem Blog selbst (zu sehen z.B. auf dem Blog 2-blog.net). Genauso ist es z.B. auf dem Feedaggregator Netvibes möglich, sich sowohl mittels des eigenen Facebook-Logins einzuloggen, als auch den Netvibes Activity Feed auf Facebook einzubinden.
B2B als neuer Fokus
Wie schon in mehreren Artikeln wie unter anderem in Der StudiVZ-Effekt, Teil 2: Plattform- statt Portaldenken angesprochen, entwickeln sich soziale Netzwerke immer mehr hin zu einer Applikationsplattform. Daher ist es nur logisch anzunehmen, dass diese Plattformen in Zukunft auch auf diesem Wege eine Monetarisierung vorantreiben werden. Denn dies hat einen ganz entscheidenden Vorteil, der im Seedfinance-Artikel meiner Meinung nach nicht deutlich genug gesagt wurde. Durch den Fokus der Monetarisierung auf den B2B-Bereich werden, anders als beim Freemium-Modell, keine neuen Beitrittshürden für “normale” Nutzer geschaffen. Genauso vertreibt man auch keine bestehenden Nutzer, die nicht für einen ehemals kostenlosen Dienst zahlen wollen.
Bei vielen Usern besteht nach wie vor eine starke Abneigung gegen “payed content” oder kostenpflichtige Applikationen ohne, zumindest von der Empfindung, nutzbaren Gegenwert. Ein Freemium-Modell kann daher gerade bei Netzwerken mit starken Fokus auf reines “Socializing” nicht funktionieren.
Freemium bleibt weiterhin interessant
Anders ist dies bei Business Plattformen wie Xing oder LinkedIn, die zwar ebenfalls auf einem Networkingansatz aufsetzen, diesen jedoch in einen geschäftlichen Kontext bringen, welches dem Networking eine andere Wertigkeit verleiht. Darüber hinaus bietet Xing unter Anderem durch den Marketplace durchaus Services. welche für viele Nutzer eine Bezahlung rechtfertigen. Gleichzeitig bietet sich jedoch auch hier die Möglichkeit der Öffnung für externe Applikationen. Denn nicht nur große Netzwerke, sondern vor allem gerade hoch spezialisierte Netzwerke können durch eine Öffnung interessant für andere Unternehmen werden.
Ich bin daher überzeugt, dass das Freemium-Modell auch weiterhin seine Daseinsberechtigung hat, jedoch nicht auf Größen wie Facebook oder StudiVz oder andere Netzwerke mit einem reinen Socializing-Fokus anwendbar ist. Wie sich der Kampf um dem wertvollsten Social Graph entwickeln wird, bleibt abzuwarten. Chancen haben jedoch auch die kleinen, spezialisierten Netzwerke.
That's it. What Next?
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31/07/10